Weitere Beispiele stehender Dachstühle sind auf Tafel 20 verzeichnet, und zwar in Fig. 2 bis 3 mit je einer Zwischenpfette und in Fig. 1 mit je zwei solcher zwischen First und Dachfuß. Ebenso enthalten die Tafeln 21 bis 23 Beispiele von liegenden Dachstühlen, und zwar Tafel 21 von älterer, Tafel 22 und 23 von neuerer Konstruktion und unter Anordnung von Kniestöcken.
Auf die auf Tafel 20 bis 23 verzeichneten Konstruktionen des stehenden und des liegenden Dachstuhles werden wir später wieder zurückkommen, und wir behandeln zunächst die bei den verschiedenen Dachstuhlkonstruktionen vorkommenden Verbindungen der einzelnen Konstruktionsteile derselben.
Diese Verbindungen zerfallen in drei Gruppen, und zwar in solche
a) am Dachfuße,
b) an der Dachfirst und
c) an der Pfette.
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Häufiger als die Konstruktionen Fig. 397 und 448 wird in neuerer Zeit der liegende Dachstuhl mit Kniestock, Kniewand, Drempelwand ausgeführt, Tafel 22 und 23, da diese Anordnung eine günstigere Ausbildung der Fassaden ohne Vermehrung der Stockwerkshöhen, und eine bessere Ausnutzung der Dachräume zuläßt. Durch Anlage des Kniestockes steht der Fuß der Sparren nun nicht mehr in unmittelbarer Verbindung mit dem Dachgebälke, wodurch beide unabhängig voneinander werden, was insbesondere für die Anordnung der Balkenlage von großem Vorteil ist. Anderseits wird aber die Festigkeit der Konstruktion durch die Aufhebung des unverschieblichen Dreieckes, das durch zwei Sparren und den zugehörigen Dachbalken gebildet wird, leiden, und es müssen deshalb die Hauptbinder so konstruiert werden, daß die Unverschieblichkeit der Anlage gesichert ist.
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Ist ein Kehlgebälk anzulegen, so kann dasselbe ähnlich wie bei Fig. 1, Tafel 22, parallel zu den Pfetten auf die Spannriegel oder die Zangen aufgelegt und mit diesen verdollt oder verkämmt werden. Müssen letztere unterstützt werden, so geschieht dies am zweckmäßigsten durch Einfügung einer Hängesäule, die durch das obere Strebenpaar getragen wird. Durch die Kehlbalken wird der durch die Büge bewirkte Längenverband der Dachstuhlkonstruktion noch vermehrt.
Die Konstruktion Fig. 1, Tafel 23, findet häufigere Verwendung als die Fig. 3, weil sie zum Querverbande bloß einen Spannriegel und keine Zange, und kürzere Hölzer zu den Streben verlangt, sich deshalb leichter aufschlagen läßt und den Mittelpfetten eine bessere Unterstützung bietet.
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Bei steilen Dachflächen, die dem Winde große Angriffsflächen darbieten, kann die Versteifung in vortrefflicher Weise nach dem in Fig. 452 dargestellten Konstruktionssystem erfolgen, — vom Post- und Telegraphengebäude in Lübeck 1) — bei dem sich im oberen Teil des Binders sieben feste Dreiecke bilden, die jede Verschiebung ausschließen.
Bei Spannweiten von 10 bis 11 m wird der oberhalb der Zwischenpfetten liegende Sparrenteil so kurz, daß die Firstpfette entbehrt werden kann — siehe hierwegen S. 143 — und es entsteht der liegende Dachstuhl mit Mittelpfetten, der besonders bei den gewöhnlichen Wohngebäuden häufig vorkommt; ein solcher ist auf Tafel 22, Fig. 1 bis 3, im Grundriß und im Quer- und Längenschnitt dargestellt.
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Die auf Tafel 21 dargestellten Dachkonstruktionen sind ungeachtet ihrer Solidität veraltet und werden selten mehr ausgeführt, und zwar wegen allzu großen Aufwandes an Material und Arbeit und wegen schwieriger Reparatur insbesondere der Stuhlschwellen und Stuhlpfetten. Dazu kommt noch der durch die Aufschieblinge sich bildende sogenannte Leistbruch der Dachflächen, welcher mittels Ziegel oder Schiefer nicht gut dicht eingedeckt werden kann, sowie die Unfreiheit in der Einteilung des Speichergebälkes, welche mit der der Dachsparren in innigem Zusammenhange steht. Aus diesen Gründen und insbesondere wegen der Möglichkeit, Kniewände in beliebiger Höhe anordnen zu können, verdienen die besprochenen, auf Tafel 22 und 23 dargestellten Konstruktionen des liegenden Pfettendachstuhles den Vorzug (siehe auch die Bemerkungen hierüber Seite 146).
1) Deutsche Bauzeitung 1884






