Stiftungszentrum in Berlin

 - Jakob Schoof

Rostroter Beton, Ziegel im gleichen Farbton und buntscheckige Recyclingziegel gliedern die Fassaden des zweiteiligen Bauensembles, das AFF Architekten an der Berliner Herrmannstraße errichtet haben. Bauherr war die Stiftung der baden-württembergischen Unternehmerfamilie Schöpflin. Sie hat die beiden Gebäude zwei Inititativen überlassen, die sie in den letzten Jahren ins Leben gerufen hat: Die Spore Initiative widmet sich mit Ausstellungen und Veranstaltungen der biokulturellen Vielfalt auf der Welt. Dafür stehen ihr ein großer Vortragssaal im Erdgeschoss, zwei Ausstellungsräume im 1. Obergeschoss und eine Bibliothek im 2. Obergeschoss zur Verfügung. Außerdem sind im Haus Büros und zwei Gästewohnungen für Künstler untergebracht. Das größere Nachbargebäude ist ganz dem Journalismus gewidmet. Gemeinnützige Organisationen, aber auch ganze Redaktionen und Einzelpersonen finden in den Co-Working Spaces und Mietbüros Platz. Im Erdgeschoss gibt es Raum für öffentliche Veranstaltungen sowie ein Video- und ein Audiostudio. Ganz oben im Haus gibt es mehrere Wohnateliers, wo Journalisten - auch solche aus Ländern, in denen die Pressefreiheit ein Fremdwort ist - eine Bleibe auf Zeit finden.

Stiftungszentrum in Berlin
Publix – Haus für Journalismus und Öffentlichkeit © Tjark Spille

Die beiden Solitärbauten stehen östlich des ehemaligen Flughafens Tempelhof an einer städtebaulichen Bruchstelle. Dichte Gründerzeitbebauung wechselt sich hier mit weitläufigen Friedhofsarealen ab. Auch das Grundstück der Schöpflin Stiftung gehörte früher der evangelischen Kirche. Einst waren hier in zwei Flachbauten eine Friedhofsgärtnerei und ein Steinmetzbetrieb untergebracht.

Die ziegelroten Fassaden nehmen Bezug auf zur angrenzenden Friedhofsmauer und zu einer ehemaligen Aussegnungshalle auf der anderen Straßenseite. In den Wohngebäuden an der Hermannstraße ist der Farbton dagegen ohne Parallele, hier dominiert heller Verputz. Am Haus der Spore Initiative übersetzten die Architekten die dreiteilige innenräumliche Struktur in eine dreischichtige Fassadenkonstruktion: Im Erdgeschoss wechseln sich große Glasflächen und roter Ortbeton ab. Die Ausstellungsflächen im 1. Geschoss erhielten eine Vormauerung aus Recyclingziegeln im Reichsformat 250 × 115 × 65 mm. Die Räume hier sind deutlich höher als in den übrigen Geschossen und bis auf drei gezielt gesetzte, großflächige Öffnungen nahezu fensterlos. In den beiden Obergeschossen gliedern regelmäßige Lochfenster die Fassaden, die mit neu gebrannten Ziegeln verkleidet sind. Sie haben mit 250 × 115 mm die gleiche Grundfläche wie im Ausstellungsgeschoss, sind jedoch nur 40 mm hoch. Homogener sind die Fassaden des Publix-Gebäudes nebenan: Hier finden wir den gleichen rostroten Beton, unterbrochen von viel Glas im Erdgeschoss und großen, nicht ganz deckenhohen Fenstern in den Obergeschossen.

Auch innenräumlich gibt es einige Parallelen zwischen den Gebäuden: In den öffentlichen Bereichen dominieren Sichtbetonoberflächen, in vielen Decken dämpfen Schallabsorber aus einem Holzwolle-Betongemisch den Schall. Das Material wird sonst als Schallschutz an Autobahnen und Bahngleisen verwendet. Doch es gibt auch deutliche Unterschiede – vor allem bei den Büroräumen. Bei Publix sind die Fassaden innen von horizontalen und vertikalen Kabeltrassen gesäumt. Spürbar wird hier der Werkstattcharakter der Räume und das Bestreben, die Raumkonfiguration für spätere Anpassungen flexibel zu halten. Im Nachbargebäude haben die Büros mit Eichenparkett einen deutlich wohnlicheren Charakter.

Ein statischer Kraftakt war die Planung der Erdgeschossdecke im Haus der Spore Initiative. Sie kragt bis zu 12 m stützenfrei von den Gebäudekernen aus und wird von 380 mm hohen Betonunterzügen getragen, deren unregelmäßiger Verlauf den Kräftelinien in der Decke folgt. Bei der äußerst materialsparenden Konstruktion arbeiteten das Planungsteam und das Rohbauunternehmen Hand in Hand: Mithilfe des 3D-Modells der Architekten fertigte ein Bautischler die Zuschnittsvorlagen und Konstruktionsschablonen für die Deckenschalung an. Vor allem im zweigeschossigen Auditorium ist die Spannung in der Decke förmlich zu spüren: Wie ein riesiges Netz überwölbt die Rippenstruktur den Raum. Um trotz des hohen Bewehrungsgrads die gewünschte Sichtbetonqualität realisieren zu können, wurde die Größe der Betonzuschläge auf 8 mm begrenzt.