Typologie der Büroorganisationsformen

»Brauchen wir in zwanzig Jahren überhaupt noch Büroräume?« mag eine berechtigte Frage lauten, wenn man die Gruppe mit iPad und Latte Macchiato am Nachbartisch im engagierten Gespräch beobachtet. Das Büro ist dort, wo man arbeitet, und Orte zum Arbeiten gibt es in Hülle und Fülle. Immer häufiger ist auch für ernste Geschäftsgespräche der Ort zweitrangig und diese Tendenz wird sich, auch mit Hilfe neuer technischer Entwicklungen, weiter festigen. Und dennoch: Die Bedeutung des Bürogebäudes als solches wird kaum in den Hintergrund gedrängt werden. Die Arbeitswelt ist unser zweiter Lebensraum und neben der Wohnung unser wichtigster Aufenthaltsbereich. Da scheint auch die Idee vom »non-territorialen« Bürokonzept keine Wunderwaffe zu sein - nicht jeder ist zum Nomadendasein geboren. Die meisten von uns benötigen auch in ihrer Arbeitsumgebung eine gewisse Geborgenheit, einen festen Platz, an dem sie morgens die Arbeit vom Vortag vorfinden. Mit den Kollegen zur Besprechung ins Café? Gerne, aber nicht zwangsweise. Wie aber soll der ideale Büroraum aussehen? Je nach Betrachter unterscheiden sich die Vorstellungen hierzu durchaus.

Typologie der Büroorganisationsformen
Beispiel Zellenbüro: Finanzamt in Schwarzenberg, 1999, Architekten: Mahler Günster Fuchs © Christian Richters

Vergleich und Bewertung der Büroorganisationsformen

Typologisch unterscheidet man vier »klassische« Büroorganisationsformen (Zellen-, Großraum-, Gruppen-, Kombibüro) mit unterschiedlichen räumlichen Ausprägungen. Hinzu kommen der Business-Club und das reversible Büro als weitere Entwicklungen.

Das Zellenbüro existiert seit den Anfängen der Bürokratisierung und gilt somit als Klassiker unter den Büroorganisationsformen. Der Typus wird den Anforderungen an individuelle und konzentrierte Arbeit gerecht. Kommunikation und Informationsaustausch zwischen den Mitarbeitern war Mitte des 20. Jahrhunderts meist unerwünscht und spielte keine Rolle. Das Zellenbüro stellt den gängigen Typus für Behörden und öffentliche Verwaltungen dar. Charakteristisch ist die Aneinanderreihung von Einzel- und Mehrpersonenbüros entlang der Fassade, die über einen gemeinsamen Flur erschlossen werden. Der Typus funktioniert als Ein-, Zwei- oder Dreibund. Bei Zwei- und Dreibundanlagen bedeutet der meist schmale und dunkle Flur mit höchstens stirnseitigem Lichteinfall einen großen räumlichen Nachteil. Informelle Kommunikation und Möglichkeiten der Begegnung und des Verweilens bietet dieser Typus so gut wie gar nicht. Es können lediglich herkömmliche Zellenbüros zu Gemeinschaftsräumen (Aufenthaltsraum, Teeküche, Kopierraum etc.) umfunktioniert werden. Große Raumtiefen erzeugen ungünstige Raumproportionen bei Einzelbelegung. Die Zellenstruktur erlaubt jedoch auch eine individuelle Ablage, die Identifikation mit dem Arbeitsplatz und für andere Bereiche störungsfreie Abläufe.

Grundsätzlich muss bei der Bewertung des Zellenbüros zwischen Einzel- und Mehrpersonenbüros unterschieden werden, da die Vor- und Nachteile oftmals gegensätzlich sind. Das Einzelbüro bietet gegenüber allen anderen Büroorganisationsformen die besten Bedingungen im Hinblick auf konzentriertes Arbeiten sowie individuelle Belichtung und Belüftung. Nachteilig sind der mangelnde Kontakt zu anderen Mitarbeitern und der extrem hohe Flächenverbrauch. Beim Mehrpersonenbüro für zwei bis fünf Mitarbeiter kehren sich nahezu alle Vorteile ins Gegenteil um: Die verkleinerte Grundfläche pro Mitarbeiter führt dazu, dass die Personen unmittelbar nebeneinander oder gegenüber sitzen. Telefonate oder Kundenbetreuungen stören die Konzentrationsfähigkeit, oftmals herrscht Uneinigkeit über ein angenehmes Raumklima. Das Zellenbüro verliert in der heutigen Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung und wird zunehmend von kommunikativeren Strukturen abgelöst.

Das Großraumbüro hat seinen Ursprung in den USA und entstand ursprünglich aus dem Typus großer Fabriken. Erste Ausprägungen waren der streng orthogonal organisierte Bürosaal, der später von den eher frei organisierten Bürolandschaften und Raum-in-Raum-Systemen abgelöst wurde. In Deutschland wurde das Großraumbüro in den 1960er-Jahren im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs eingeführt. Charakteristisch für das Großraumbüro ist ein frei bespielbarer Raum. Den einzigen festen Einbau bildet der Treppenkern mit Aufzug, Toiletten und Garderoben, von dem aus die komplette Nutzfläche flurlos erschlossen wird. Die hohe Flexibilität des Grundkonzepts kann in der Praxis jedoch kaum genutzt werden. Die Größenbegrenzung einzelner Büroeinheiten erfolgt nach den Auflagen der jeweiligen Brandschutzverordnungen der Landesbauordnungen. Beim Großraumbüro spielen Raumtiefe und Fassadenraster eine untergeordnete Rolle, sodass auch große Gebäudetiefen und freie Grundrissformen möglich sind. Hierarchien entstehen automatisch aufgrund der sehr unterschiedlichen Qualität von fensternahen und in Gebäudemitte platzierten Arbeitsplätzen. Auch die Vorteile, die man sich aus der Begünstigung von spontaner und arbeitsübergreifender Kommunikation versprochen hatte, wurden überschattet von den damit einhergehenden Problemen wie akustischen Störungen, Mangel an Rückzugsmöglichkeiten und fehlender Privatsphäre. Das Problem der unterschiedlichen Arbeitsplatzqualitäten verschärfte sich oft zusätzlich, wenn entlang der Fenster oder in den Gebäudeecken Einzelbüros für die Vorgesetzten eingebaut wurden. Auch der Einsatz von Stellwänden und raumhohen Schrankelementen hat in Bezug auf Lichteinfall und Ausblicksmöglichkeit seine Nachteile. Ab den 1980er-Jahren veränderte sich das Großraumbüro hin zum kleineren und differenzierteren Gruppenbüro. Die Akzeptanz für das Großraumbüro hängt allerdings auch vom gesellschaftlichen und kulturellen Hintergrund ab. So ist der Großraum in den USA noch immer der vorherrschende Büro-Typus. Aber auch in Deutschland gibt es Unternehmensstrukturen und Arbeitsformen, die im Großraum passende Bedingungen vorfinden, wie z.B. Call-Center oder Börsenhandelsplätze, die ohne dauerhafte und spontane Kommunikation nicht auskommen.

Das Gruppenbüro versucht mit deutlich kleineren Büroeinheiten von max. 25 Mitarbeitern die Vorzüge des Großraumbüros hervorzuheben und dessen Nachteile zu kompensieren. Entscheidende Unterschiede zum Großraumbüro sind die geringere Raumgröße und Raumtiefe, sodass ein Großteil der Arbeitsplätze ausreichend natürlich belichtet und belüftet werden kann. Dies hat eine erhöhte Fassadenabwicklung im Verhältnis zur Nutzfläche zur Folge. Die Steuerung der klimatischen Einflussfaktoren erfolgt weitgehend eigenständig pro Gruppenbereich. Voraussetzung für das Gruppenbüro sind Teamfähigkeit und der Wunsch nach Kommunikation und Informationsaustausch. Eine gute räumliche Übersicht fördert das Zugehörigkeitsgefühl. Als störend wird die teilweise starke akustische Beeinträchtigung empfunden, insbesondere bei Telefonaten und Besprechungen.

Die Spanne reicht vom großen Mehrpersonenbüro bis zum »kleinen« Großraumbüro oder Open-Plan-Office. Das große Mehrpersonenbüro wird als Ein- oder Zweibund organisiert. Entlang des gemeinsamen Flurs bzw. der Flurzone können mehrere Gruppenräume aneinandergereiht werden. Diese Form ist für konzentriertes Arbeiten in kleinen Gruppen geeignet. Das Open-Plan-Office kann wie das Großraumbüro über einen zentralen Bereich erschlossen werden und hat statt eines definierten Flurs eine freigehaltene Bewegungszone. Mittels Stellwänden oder halbhohen Einbauten können individuelle Arbeitsgruppen gebildet werden. Diese Form ist geeignet für größere Gruppen mit bis zu 25 Mitarbeitern. Aktuelle Tendenzen zeigen, dass in vielen Unternehmen Teamarbeit künftig an Bedeutung gewinnen wird. Das Gruppenbüro in Reinform spricht gezielt kreative Berufsgruppen wie Architekten, Werbeagenturen, Grafikbüros etc. an.

Das Kombibüro entstand in den späten 1970er-Jahren in Skandinavien aus dem Anspruch heraus, die Vorteile der bis dahin bekannten Büroorganisationsformen Großraum- und Zellenbüro zu vereinen, um optimale Bedingungen für Kommunikation und Konzentration zu schaffen. Strukturell ist das Kombibüro ein Dreibund. Entlang der Fassade reihen sich die Standardarbeitsplätze, der »Mittelbund« wird durch einen offenen Gemeinschaftsbereich ersetzt. Konzentriertes Arbeiten findet an den Standardarbeitsplätzen statt, Kommunikation wird in der gemeinsamen Mittelzone ermöglicht. Dabei sind die Einzelarbeitsplätze in ihrer Fläche deutlich reduziert, zugunsten der gemeinsamen Einrichtungen. Die Flurwände sind transparent ausgeführt, um die Mittelzone mit natürlichem Licht zu versorgen und einen Dialog zwischen Abgeschlossenheit und Offenheit zu ermöglichen. Im Kombibüro lassen sich sowohl Einzel- als auch Mehrpersonenbüros einrichten. Um ausreichend Platz für die Funktionen der Mittelzone bereitzustellen, wird eine lichte Gebäudetiefe von 14 m empfohlen. Die brandschutztechnische Anforderung, Sichtbeziehungen über die Mittelzone zu gewährleisten, hat Einfluss auf die Gestaltung der Flurwände und Sonderbereiche. Die ausreichende Belichtung der Mittelzone erweist sich oft als schwierig und auch der minimierte Bewegungsraum des Standardarbeitsplatzes wird häufig kritisch gesehen. Organisatorische Nachteile entstehen, sobald mittig angeordnete Erschließungskerne viel Fläche beanspruchen und daher in diesem Bereich keine Gemeinschaftseinrichtungen Platz finden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich das Kombibüro mittlerweile längst etabliert und ist auch in großen Behörden und Ämtern inzwischen akzeptiert.

Der Business-Club zeigt die konsequente Weiterentwicklung des Kombibüros. Die räumliche Konfiguration beider Formen unterscheidet sich nur geringfügig. So hat der Business-Club weniger Standardarbeitsplätze, dafür vermehrt Gruppen- und Steharbeitsplätze sowie Besprechungsräume. Die Erschließungsfläche wird komplett als Nutzfläche eingesetzt, es empfiehlt sich somit eine lichte Raumhöhe von mindestens 3 m.1 Der Verzicht auf feste Arbeitsplätze und individuelle Ablageflächen erlaubt eine Überbelegung. Dieses Konzept funktioniert nur in Kombination mit einem non-territorialen Bürokonzept optimal. Mitarbeiter haben also keinen persönlichen Arbeitsplatz mehr, sondern suchen sich nach aufgabenspezifischen Kriterien zeitweise den geeigneten Ort zum Arbeiten. Dieser Büroorganisationsform liegt die Erfahrung zugrunde, dass innerhalb bestimmter Unternehmensstrukturen ein Großteil der Arbeit nicht mehr konventionell am Arbeitsplatz erledigt wird, sondern vermehrt in Projektgruppen oder Besprechungen. Viele Tätigkeiten finden zudem außerhalb des Büros statt – auf Dienstreisen, bei Kundenterminen oder von zu Hause aus. Hinzu kommen krankheits- und urlaubsbedingte Fehltage, sodass je nach Unternehmensart bis zu 25 % der Arbeitsplätze im Mittel leer stehen können. Der Business-Club ist geeignet für Unternehmen mit eigenverantwortlichen Mitarbeitern, die einen großen Teil ihrer Arbeit außerhalb des Büros erledigen und die gemeinsamen Räumlichkeiten in erster Linie für den Austausch und die Kommunikation untereinander nutzen. Aufgrund aktueller Tendenzen der Arbeitswelt in Bezug auf erhöhten Mobilitäts- und Flexibilitätsanspruch und gestiegene mobile Erreichbarkeit birgt der Business-Club für einige Unternehmensstrukturen großes Potenzial.

Das reversible Büro stellt keine eigene Organisationsform dar, sondern ermöglicht die unterschiedliche Belegung verschiedener Büroorganisationsformen innerhalb eines Gebäudes oder auf einer Etage. Mit dem reversiblen Büro werden Ziele auf unterschiedlichen Ebenen verfolgt. In Bezug auf die Gebäudestruktur wird eine möglichst hohe Flexibilität und Nachhaltigkeit angestrebt, auf Nutzerebene wird versucht, möglichst unkompliziert auf unterschiedliche bzw. wechselnde Anforderungen innerhalb eines Unternehmens zu reagieren. Der Spielraum bei der Gebäudetiefe ist beim reversiblen Büro mit 14–15 m sehr begrenzt, da die unterschiedlichen Organisationsformen Zellen-, Gruppen-, Kombibüro und Business-Club wirtschaftlich und den Nutzeranforderungen entsprechend realisiert werden müssen. Ein multifunktionales Struktur- und Technikkonzept bildet das Rückgrat des reversiblen Büros. Die Lage der Treppenhäuser und der Versorgungstrassen in Zusammenhang mit brandschutztechnischen Anforderungen prägen die mögliche Vielfalt der Nutzungsarten. Das reversible Büro eignet sich zum einen für Investorenprojekte, bei denen der künftige Nutzer noch nicht feststeht, zum anderen für Unternehmen, die sehr verschiedenen Anforderungen gerecht werden wollen. Beispielsweise können für Kundenbetreuung Zellenbüros, für Marketing und Vertrieb Kombibüros und für Projektteams Gruppenräume sinnvoll kombiniert werden. Trennwände und Einbauten sollten so ausgebildet werden, dass mit möglichst geringem Aufwand Änderungen vorgenommen werden können. Die Flexibilität stößt in der Regel dann an ihre Grenzen, wenn Aufwand und Nutzen in einem ungünstigen Verhältnis stehen. Da es für Unternehmen und Investoren künftig immer schwieriger wird, sich dauerhaft auf nur eine Organisationsform festzulegen, wird das reversible Büro künftig an Bedeutung gewinnen.

Wechselwirkung zwischen Gebäudetyp und Büroorganisationsform

Gewöhnlich betrachtet man die verschiedenen Büroorganisationsformen idealtypisch in einem riegelförmigen Grundriss. Der klassische Riegel, in seiner Bautiefe auf die gewählte Büroorganisation optimiert, kann nicht nur einfach konstruiert und wirtschaftlich erstellt werden, er bietet auch den Vorteil der problemlosen Erweiterung und Nachverdichtung. Darüberhinaus lassen sich Kenndaten (z.B. Bruttogeschossfläche / Arbeitsplatz) schnell überprüfen. Da nun aber nicht jedes Gebäude einen rechteckigen Grundriss hat, lohnt es sich, über die Organisation und die Besonderheiten abweichender Grundrisstypen nachzudenken.

Dreieckige oder konische Grundrisse legen mit ihrer sich linear verändernden Gebäudetiefe vor allem die Kombination verschiedener Organisationsformen nahe: von Zellen über einen Kombityp zum Gruppenbüro kann jede Organisationsform an der für sie optimalen Gebäudetiefe realisiert werden. Nachteilige Raumabmessungen lassen sich so verhindern. Die konische Grundform impliziert damit den spannungsreichen Mix der Strukturen. Unterschiedliche Arbeitsatmosphären werden unterschiedlichen Anforderungen gerecht, eine für breit aufgestellte Nutzer sehr brauchbare Lösung. Neben der vielfältigen inneren Organisation werden hier auch Wechselbeziehungen und weiche Übergänge zwischen Verkehrsflächen und Mittelzonen erreicht. Nicht rechtwinklige Raumzuschnitte können sich allerdings nachteilig auf die Wirtschaftlichkeit sowie Organisation und Möblierung auswirken.

Kreisförmige Grundrisse sind meist mit einem erhöhten Flächenverbrauch pro Arbeitsplatz verbunden. Konzeptionelle Abhängigkeiten (gebogene Fassaden, entsprechend angepasste Fenster, Türen und Trennwände) führen nicht selten zu einer eingeschränkten Wirtschaftlichkeit. Da die Mindestabmessungen, zum Beispiel der Zugang zum Büro, Flurbreiten etc., oft auch an der ungünstigsten Stelle des Grundrisses zu erfüllen sind, können durch radiale Trennwände Rest- oder Überflächen pro Arbeitsplatz entstehen. Auch die Flexibilität eines Fassadenrasters kann geometrisch bedingt nicht auf den Innenraum (z.B. Trennwandraster) übertragen werden. Die Zentren sind je nach Durchmesser entweder sehr beengt oder nicht optimal belichtet. Die Vertikalerschließung hat bei dieser Form erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit. Neben der spezifischen Atmosphäre – der Flur hat weder Anfang noch Ende – und der eingeschränkten Blickbeziehungen schließen eher pragmatische Gegebenheiten bestimmte Organisationstypen aus oder schränken sie zumindest ein. So begrenzt meist der Radius die Ausbildung von Großbereichen wie Seminarräumen oder dergleichen. Zellenbüros mit geschlossener Flurwand erzeugen bedrückende Flurbereiche um den Kern. Ein einhüftiger Kombityp führt zu unterbelichteten und atmosphärisch eingeschränkten Mittelzonen. Letztendlich können nur der Gruppenarbeitsraum und der Großraum adäquat auf die besondere Form reagieren.

Bei quadratischen Grundrissen gelten in Bezug auf die Belichtung und Nutzung der Mittelbereiche ähnliche Grundvoraussetzungen wie bei den kreisförmigen Gebäuden. Dennoch sind hier durch geschickte Anordnung von Erschließung und Büronutzung eigenständige Mischtypen der Büroorganisation möglich. Die Ausbildung von Mittelinseln erlaubt eine windflügelartige Anordnung des Kombityps. Auch Zellenanordnungen sind für bestimmte Nutzungen mit eventuell erhöhtem Lagerbedarf in der Gebäudemitte denkbar.

Letztendlich ist festzustellen, dass neben dem immer anwendbaren Großraum der Kombityp, auch kombiniert mit Gruppenbereichen, am ehesten bei den unterschiedlichsten Gebäudeformen seine Flexibilität unter Beweis stellt. Grundsätzlich gilt, dass sich alle genannten Grundrissformen mit großen Abmessungen durch die Ausbildung von Höfen oder Atrien organisatorisch wieder dem Riegel annähern, was dann auch alle Büroorganisationsformen zulässt.

Was bringt die Zukunft?

Gemessen an den gängigen Zielen wie Nachhaltigkeit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit scheint das reversible Büro die Ideallösung für einen Großteil der Bauaufgaben zu sein. Und sicherlich wird eine intelligente Planung immer auch Veränderungen und Anpassungen ermöglichen. Nichtsdestotrotz spielen Identität, Charakter und vielleicht sogar Unverwechselbarkeit bei vielen Unternehmen weiterhin eine große, wenn nicht entscheidende Rolle. Und auch diesem Wunsch werden wir Planer künftig gerecht werden wollen. Die Praxis zeigt, dass oftmals nicht eine einzige Organisationsform zum Tragen kommt, sondern verschiedene Formen nebeneinander existieren und gerade dadurch besondere und charakteristische Raumkonfigurationen entstehen. Die richtige Büroorganisationsform für alle Anforderungsprofile wird es ohnehin niemals geben, zu unterschiedlich sind Unternehmen und Berufsgruppen organisiert. Diese Entscheidung wird weiterhin individuell getroffen werden, möglichst im Einklang mit den Nutzern.

Tendenzen kann man dennoch aussprechen: Das Großraumbüro in seiner klassischen Ausprägung hat zumindest in Deutschland ausgedient und wird in erster Linie bei Sonderformen wie Call-Centern angewendet werden. Das Gruppenbüro wird weiterhin insbesondere kreative Berufsgruppen bedienen, sich aber künftig stärker als Mischform mit Zellen- oder Kombibüroformen überlagern. Der Business-Club wird mittelfristig auf eine eingeschränkte Zielgruppe mit hohem Anteil an Außendienstmitarbeitern ausgelegt sein. Die Nachfrage nach dem reinen Zellenbüro wird zugunsten von Kombibüros und reversiblen Büros deutlich zurückgehen.