- Jakob Schoof
Kunst- und Naturerlebnis liegen im Gästehaus von Bundanon, rund drei Autostunden südlich von Sydney, nahe beieinander: Nach Osten fällt der Blick hinunter zum Shoalhaven River, im Westen liegt ein Naturpark und vom Hoteleingang sind es nur ein paar Schritte zum zeitgleich entstandenen Bundanon Art Museum, das die Werke des australischen Malers Arthur Boyd (1920 - 99) zeigt. Auftraggeberin der Neubauten von Kerstin Thompson Architects ist die staatliche Stiftung, die Boyds Nachlass verwaltet. Die Baukörper könnten unterschiedlicher nicht sein: hier das größtenteils unterirdische Museum aus Sichtbeton, dort die 165 m lange und 9 m breite Stahlbrücke des Gästehauses, die weit in die Landschaft ausgreift. Hochwasserschutz, Brandschutz und Barrierefreiheit waren wesentliche Einflussgrößen für den Entwurf. Außerdem sollten die Neubauten nicht mit dem Boyd Education Center in Konkurrenz treten, das Glenn Murcutt, Reg Lark und Wendy Lewin 1999 weiter südlich auf dem Areal errichtet haben. Das Fußbodenniveau des Gästehauses liegt hochwassersichere 23 m über dem Fluss und damit auf einer Höhe mit dem Museumseingang. Die Brücke überspannt eine Talmulde, in der bei Starkregen größere Wassermengen Richtung Shoalhaven abfließen. Überdies musste das Gebäude Abstand halten zum Naturpark mit der von ihm ausgehenden Buschbrandgefahr. Das dunkel lackierte Stahltragwerk ist von historischen Bockbrücken inspiriert, auf denen in Australien und den USA früher Eisenbahnstrecken durch Hochwassergebiete geführt wurden.
